Schauspieler Fritz Barth präsentierte am Joseph von Eichendorff-Gedenktag die Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“
Eichendorf. „Eichendorf wird nun die Kulturhauptstadt im Vilstal“, begrüßte Bürgermeister Max Schadenfroh schmunzelnd am Samstag, 12. März 2011, in der vollen Schulaula zum zweiten Teil des großen Joseph von Eichendorff-Gedenktages, zu dem die Gemeinde und der Gemeindeentwicklungsverein eingeladen hatten.
Begonnen hatte der Gedenktag am späten Nachmittag mit einem Diavortrag, in dem Franz Kantner an die Oberschlesienreise im vergangenen Jahr erinnerte, und nach bester Bewirtung und vielen Gesprächen stand am Abend mit dem Theater der zweite Höhepunkt des Gedenktages auf dem Programm. Gemeindeentwicklungsvorsitzender Uli Altmann schloss sich der Begrüßung des Gemeindeoberhauptes im „Eichendorff-Theater“ an, ehe der bekannte Schauspieler Fritz Barth die Bühne eroberte. Zusammen mit Klangkünstlerin Caro Lanzendörfer präsentierte er seine humorvolle Eigeninterpretation der Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“ von Joseph von Eichendorff. Dabei hielt sich der Schauspieler zwar an die Original-Geschichte und rezitierte sehr viele Textteile und Stellen aus dem Taugenichts, würzte die romantische Geschichte aber mit vielen witzigen „Ausflügen“ in die Moderne. So putzte sich der Taugenichts (der wohlgemerkt im Jahr 1822/1823 geschrieben wurde) beispielsweise mit einer elektrischen Zahnbürste die Zähne, bevor er in sein überdimensionales Bett stieg. Und als der Taugenichts im Schloss einen edlen Herren kennen lernt, fragt er diesen „Oh Herr von und zu Guttenberg – Sie hier? – Sagen Sie, befinden wir uns nun im kriegsähnlichen Zustand?“. Und der edle Herr antwortet „Meinen Sie damit die Zustände am Hindukusch oder an der Uni?“ Auch empfiehlt der Gärtner im Schlossgarten dem Taugenichts, immer schön die Apothekenumschau zu lesen, was für viel Heiterkeit im Publikum sorgte, ebenso wie die Aussage des Taugenichts „Oh, das Bier perlt nicht mehr – dann ist es kein Graf Arco!“ Zwischendrin imitierte Fritz Barth sehr gekonnt den berühmten Schauspieler Heinz Rühmann, plauderte perfekt im Hamburger Dialekt, bedauerte, dass seit Kachelmann und Guttenberg nichts Gescheites mehr in der Bild-Zeitung steht und trällert auf seinem Weg nach Italien das Lied „Berlusconi ich komme – bunga bunga – molto silicone“. Auch das Publikum wurde in das heitere Spiel des Schauspielers eingebunden, so beglückwünschte der Taugenichts die Gattin des Bürgermeisters Edith zu dem Glücksgriff, den sie mit ihrem reichen Mann getan hat. Anschließend teilte Fritz Barth sein fürstliches Festmahl am Schloss in Italien, das aus einer frisch geöffneten Portion Dosenfisch bestand, mit den Zuschauern. Trotz Rauchverbots in öffentlichen Gebäuden zündete sich der Taugenichts auch die eine oder andere Zigarette an und rauchte diese genüsslich auf der Bühne – schließlich gab es ja 1823 noch kein Rauchverbot. Trotz der vielen Zwischengags, die vom restlos begeisterten Publikum mit viel Beifall belohnt wurden, hielt sich Fritz Barth jedoch an das Original-„Drehbuch“ und erzählte musizierend und rezitierend die Geschichte des Taugenichts, der auszog, um sein Glück zu finden. In der Novelle spielt der Taugenichts mit einer Violine, Fritz Barth erfreute die Zuschauer jedoch mit seinem wunderschönen Hornspiel und Klangkünstlerin Caro Lanzendörfer untermalte die Geschichte mit einer passenden Geräuschkulisse und wunderschönem Gesang.
Zur Geschichte: Der Taugenichts, ein Ich-Erzähler, ist ein Müllerssohn, und hat Sehnsucht nach der Ferne. Als der Vater ihn einen Taugenichts nennt und zum Wandern auffordert, kommt er der Aufforderung gerne nach und zieht mit seiner Geige (in diesem Fall einem Horn) zur Stadt hinaus. Eine Kutsche mit zwei schönen Damen nimmt ihn mit, er wird auf ihrem Schloss in der Nähe Wiens Gärtnerbursche.
Er verliebt sich in die jüngere der Damen, Aurelie, doch sie ist unerreichbar für ihn. So beschließt er weiterzuwandern und kommt bis nach Rom. Dort gerät er an eine bunte Gesellschaft von verkleideten Adligen und Künstlern und verfängt sich in einem undurchsichtigen Netz von Liebesabenteuern, Verlockungen und geheimnisvollen Versteckspielen, aus dem er sich erst befreien kann, als die Sehnsucht nach Aurelie übergroß wird und er eine Nachricht von seiner vermeintlichen Liebsten erhält. Er beschließt, zu ihr zurückzukehren. Zusammen mit Prager Studenten gelangt er schließlich auf einem Schiff zum Schloss zurück. Dort stellt sich heraus, dass Aurelie keine unnahbare Adlige, sondern die Nichte des Portiers ist. Auch sie ist in den Taugenichts verliebt und die beiden heiraten.
Erfreut über das „Happy End“ und die überaus gelungene Darbietung des romantisch-komischen Theatersolos überschüttete das Publikum den Schauspieler Fritz Barth und seine bezaubernde Kollegin Caro Lanzendörfer mit nicht enden wollendem Beifall. (Susi Zinner)